Ich bin regelmäßiger Kolumnist für meine deutschlandweite Gemeindezeitschrift Adventisten heute, gerne auch liebevoll Aheu genannt.

Typischer Weise schreibe ich etwa drei Mal im Jahr einen kurzen Kommentar zu aktuellen Ereignissen und Entwicklungen oder einen geistlichen Impuls. Ab und zu werden im Aheu auch größere Artikel von mir veröffentlicht. So auch im September des letzten Jahres, als ein Kapitel von mir aus dem bewusst provokanten Buch queergedacht sehr kurzfristig, und vielleicht auch nicht in alle Richtungen ausreichend bedacht, mit leichten Kürzungen übernommen und als Hauptartikel abgedruckt wurde.

Die Folgen sind den meisten Lesern dieses Blogs mutmaßlich bekannt. Es folgte eine Welle der Empörung, der Stellungnahmen, der Verurteilungen, der Forderungen nach Entfernung aus allen Ämtern und Rausschmiss aus meiner Kirche. Noch bevor ich selbst die Zeitschrift in Händen hielt, wurde ich bereits ultimativ aufgefordert, zu widerrufen, mich öffentlich für meine Irrlehren zu entschuldigen, mich jedenfalls zu erklären. Die „Verunsicherung“ der Gemeinde, die mir oft vorgeworfen wurde, konnte ich allerdings nicht  entdecken – kamen doch praktisch keine Fragen, zu dem, was in dem Artikel stand.

In Eigenreflexion und auf Anweisung meines Arbeitgebers (der gleich ebenfalls in Haftung für meinen Beitrag genommen wurde), hatte ich auf diesen neudeutsch „Shitstorm“ überhaupt nicht reagiert und entsprechende Zuschriften lediglich gesammelt, im Herzen bewegt und geschwiegen. Die Belastungen in diesem Zusammenhang wurden jedoch so groß, dass ich sechs Wochen krankgeschrieben und tatsächlich ans Bett gefesselt war. Allerdings möchte ich nicht verschweigen, dass mich ebenso Briefe, Mails, Anrufe der Dankbarkeit und Unterstützung aus aller Welt [sic.] erreichten, die mir guttaten und mich aufgebaut haben, so dass ich nach und nach aus dem Tief wieder herauskomme.

Als Antwort auf jene Zeit hätte ich gerne offenbart, was mich angesichts dieser dramatischen kirchlichen Entwicklungen weit mehr bewegt, als das Thema LGBTQ selbst. Dafür hielt ich meine Kolumne im Kontext der neuen Jahreslosung für einen geeigneten Ort. Ich bereitete die Januarkolumne für Adventisten heute vor, reichte sie fristgerecht ein, erhielt die Rückmeldung, dass sie gut für den Jahresanfang passe, musste dann aber feststellen, dass sie nicht veröffentlicht wurde. Das Redaktionsteam ließ mich wissen, man wolle mich mit dieser Entscheidung aus der Schusslinie nehmen.

Selbstverständlich liegt es in der Freiheit und Verantwortung einer Redaktion, Artikel in einer Zeitschrift zu veröffentlichen oder eben auch nicht. In diesem Falle war die Redaktion sogar von einer Fürsorge geleitet, die über inhaltliche Belange gestellt wurde. Betroffen macht mich gleichwohl die Wortwahl, die es leider allzu genau trifft: „Schusslinie“. Offenbar stehe ich nach wie vor im Fadenkreuz, sind Vernichtungsphantasien einiger Glaubensgeschwister weiterhin aktuell und bedrohlich. Innerhalb einer christlichen Kirche ist dies m.E. weit skandalöser, als alles, was mir an „Irrlehre“ in meinem als so anstößig empfundenen Beitrag unterstellt wurde.

Genau aus diesem Grund habe ich mich entschlossen, meine Kolumne nunmehr auf diesem Weg zu veröffentlichen. Der Leserkreis wird zwar kleiner sein, doch vertraue und hoffe ich darauf, dass mein Versuch der Aufarbeitung dennoch Früchte im Sinne der Jahreslosung 2024 trägt. Die Kolumne kann unten heruntergeladen werden und darf gerne in dieser Form geteilt werden.