Vorsorge treffen ist gut. Seit einiger Zeit nervten mich die monatlichen Abbuchungen auf meinem Konto. Nicht wegen des Geldes.
Jeden Monat zahle ich seit Jahren an die Sterbekasse, damit einmal meine Beerdigung bezahlt werden kann. Den Vertrag hatte ich vor Jahren abgeschlossen. Damals war ich ledig, ohne Kinder, und mein Mann noch nicht in Sicht. Wer immer mich aus damaliger Sicht je mal beerdigt hätte, die Kosten sollten geklärt sein. Auch Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht klärte ich damals, und aus der Begleitung anderer ist mir das ein Anliegen selbst Verantwortung dafür zu tragen und da Klarheit zu haben.
Auf dem jährlich stattfinden Bundesrat meiner Kirche ist die Sterbekasse ebenso mit einem Stand vertreten, wie manch andere Anlaufstelle, die für meinen Dienst und mein Leben wichtig sind. Da ich mich jetzt schon länger fragte, wie lange ich noch in die Sterbekasse einzuzahlen habe, erkundigte ich mich in diesem Jahr nach dem Stand der Dinge. Nachfragen bringt Klarheit. So weiß ich jetzt, wie lange ich noch einzahle und ich bekam die Daten schriftlich mit.
Abends, beim Nachlesen des kleiner Gedruckten, wurde mir bewusst, dass noch eine Bezugsperson eingetragen war, die ich aus der Verantwortung an dieser Stelle nehmen wollte, da sich mein Leben geändert hat. Als ich dann am nächsten Tag hier Änderungen am Stand besprach, wurde ebenfalls deutlich, dass ich in diesem Jahr die hinterlegte Mailadresse eingestellt hatte. Auch hier eine Änderung. Was mich nervte, wurde auch über Nacht zur Klarheit: die monatlichen Abbuchungen erinnern mich jedes Mal an mein Sterben und an eine Zeit, in der ich aus einer inneren Not heraus diese Versicherung abschloss. Ich will nicht jeden Monat an die Sterbekasse erinnert werden und lebe jetzt dem Leben zugewandt – daher habe ich jetzt meinen Rhythmus für die Abbuchungen geändert.
Über Tod und Leben will ich reden, nachdenken, Vorsorge in jede Richtung treffen. Doch die Rhythmusänderung der Abbuchungen ist für mich ein Akt der Selbstfürsorge und im Bild gesprochen nehme ich einen Stein aus dem Schuh und laufe unbeschwerter durchs Leben, bei aller Verantwortung, die ich für mich und andere weiter übernehme. Doch meine Aufgabe ist das Leben, dem ich mich gerne zuwende und gestalte. Dass impliziert auch Änderungen. Auch kleine Änderungen können das Leben leichter machen und sind wichtig für das Hier und Heute.