Es knirscht unter meinen Füßen. Ein Glücksgefühl breitet sich aus. Mit meinem Mann und Freunden laufe ich durch den Schnee. Durch unberührte Schneewege in Friedensau. Wie dankbar bin ich für den Augenblick.
Das war am Tag vor meinem Geburtstag und eines der größten Geschenke: Schnee am Geburtstag. Das Leben entschleunigt sich. Zugegeben, es bringt auch mehr als eine Herausforderung mit sich. Mein Auto hat die letzten Tage in der Garage gestanden und die Temperaturen ließen mich dann diese Woche noch eine neue Winterjacke kaufen. Jetzt, wo ich diese Zeilen schreibe, säße ich im Auto und wäre auf dem Rückweg aus Stettin, wo wir als Gemeindeleitung dieses Wochenende tagen wollten. Kurzfristiges Umdisponieren brachte dann für mich auch Stress mit sich.
Schaue ich heute auf meine Geburtstagswoche zurück, bin ich nur dankbar. Auch heute knirschte es unter meinen Füßen, als ich durch das sonnige Brandenburg lief. Die Bahn machte es die letzten drei Tage möglich, dass ich gut hin und zurück kam. Unser Wochenende hatten wir kurzerhand nach Brandenburg verlegt. Heute feierte ich es, dass ich trotz der Entfernung unseres neuen Wohnortes zur Gemeinde, trotz widriger Wetterverhältnisse, gut und pünktlich zum Gemeindeleitungs-Klausur-Sonntagstreffen mit Gebet und Bibellesen sein konnte. Ich finde das nicht selbstverständlich, dass der Weg so gut zurückgelegt werden kann, und höre in den Nachrichten ja auch von anderen Regionen, wo der Verkehr lahm lag und liegt.
Meinen Geburtstag am Montag feierte ich mit Freunden und Familie, am Abend mit Gemeindeleitung und ihren jeweiligen Ehepartnern. Unser Rede-Raum bot Platz und wir hatten Zeit für Austausch und weiteres Kennenlernen. Wurde mein Herz am Wochenende betrübt, dass „meine“ Hamburger Buchhandlung schließt, wurde ich von meiner Gemeinde noch mit Gutscheinen beschenkt, was mich ermutigt den Kurztrip nach Hamburg noch zeitnah umzusetzen, um dort ein letztes Mal einkaufen zu gehen und nicht nur aus der Ferne zu bestellen. Vorfreude wärmt mein Herz, auch wenn es ein Abschiedsbesuch ist.
Mich erreichten diese Woche Grüße und Geschenke auf unterschiedlichsten Wegen. Da wir Dienstag Feiertag hatten, kam manche Geburtstagspost erst Mittwoch oder Donnerstag und von anderer weiß ich, dass sie noch auf dem Weg ist. Mein Handy „plingte“ in den Tagen mehr als sonst, und via facebook erreichten mich Grüße. All den Freundinnen und Freunden sei auf diesem Wege Dank gesagt! Leider funktioniert der Messenger seit Monaten nur wann er Lust zu haben scheint. Trotz Pin und Anleitung kommen wir da nicht weiter. Da knirsch ich dann eher mit den Zähnen und bin ratlos. Ich sehe zwar die Menschen, die mir schreiben, aber nicht ihre Nachrichten. Das ärgert mich, weil die Technik da den Austausch behindert.
Nein, ich wollte nicht einfach kurz jedem ein Danke schreiben. Wäre vielleicht „nett“ oder „höflich“ gewesen. Vielleicht haben meine Gratulanten auch auf eine schnelle Reaktion gewartet – oder auch nicht. Ich bin entschleunigt ins Jahr gestartet und habe es dies Wochenende auch durchgezogen, die Laptops zu zulassen, denn in Stettin hätte ich sie nicht dabeigehabt. Mails lasse ich nicht umleiten aufs Handy, weder dienstlich noch privat. Und es tat mir gut. Auch das hat mich entschleunigt.
Als ich heute Morgen in der Straßenbahn saß, sah ich eine Werbung des BMBFSFJ und der Initiative „Allianz gegen Einsamkeit“. „Ich trainiere Ausdauer: Gespräche ohne Ablenkung durch Bildschirme“ steht da auf dem Plakat, und der Gedanke begeistert und bestätigt mich. Auf dem Rückweg feiere ich, dass zwei Frauen im Zug sitzen, die ein Buch aus Papier in den Händen halten und lesen. Was für ein schönes Bild! Dem jungen Mann mit der Gitarre, der sie bei dem Wetter schutzlos durch die Gegend trägt, bin ich versucht Geld für eine Gitarrentasche in die Hand zu drücken. Doch so bedürftig sieht er gar nicht aus. Ich wüsste, ich würde achtsamer mit dem Instrument umgehen, statt es der Feuchtigkeit und Kälte draußen auszusetzen. Würde ich nicht aussteigen, kämen wir vielleicht ins Gespräch.
Wie jeden Tag steht mein Mann am Bahngleis und holt mich ab. Dank der Apps können wir uns verständigen und sehen, wann die Bahn fährt. Technik hat gute Seiten und ich bin auch dankbar für digitale Möglichkeiten und nutze sie.
Wir gehen vom Gleis nach Hause durch den Schnee, der unter unseren Füßen knirscht. Dankbarkeit erfüllt mein Herz. Dank teile ich gerne mit Freunden und Familie. Manche Gedanken brauchen Zeit, bis sie zu Papier kommen oder getippt werden. Heute Abend ist Freiraum dafür: DANKE! Von Herzen.
11.01.2026 / csb