Knotenpunkt, so heißt der point of presence auf Deutsch. Dieser englische Begriff aus dem Bereich der Informatik, kann mit „Ort der Präsenz“ oder „Ort der Gegenwart“ übersetzt werden.

In meiner ersten Gemeindestelle, damals in Hamburg, machte mich eine Gemeindeleiterin darauf aufmerksam, dass Knoten in der Botanik „Wachstumsknoten“ sind, und half mir mit diesem Bild seelsorgerlich in einer Situation. An den „Knoten“ wird bei Pflanzen erkenntlich, wo neue Blätter ansetzen, Wachstum passiert. Im Verkehr kann man sich an Knotenpunkten für Richtungen entscheiden. Der Begriff beschreibt hier den Ort wo mehrere Wege und Verkehrsmöglichkeiten zusammenkommen. So auch bei Kommunikationssystemen. Hier sind Knotenpunkte Kontaktstellen und Übergabepunkte.

Beim Oasentag im April hatten wir uns mit dem Fischer Petrus beschäftigt, der nach Ostern wieder in seinen Alltag geht. Er geht mit Freunden fischen. Dort am See, die Geschichte kann in Joh. 21 nachgelesen werden, bereitet Jesus ihnen dann Frühstück und Petrus erlebt, wie Jesus ihn neu beruft und beauftragt. Mit den Anwesenden im Gottesdienst knüpften wir ein Netz. Viele Fäden fügten sich an diesem Vormittag zusammen. Die eigenen Fäden wurden zusammengeknotet, um dann mit den Nebenleuten zusammenzuknoten, um dann den Netzteil mit den anderen zu einem Ganzen zu knoten. Viele Knoten knüpften sich vor unseren Augen zu einem großen, bunten Netz. „Aufstehen, aufeinander zugehen“, so beginnt das Lied von Clemens Bittlinger, der auch textete „Gott spannt leise, feine Fäden, die du leicht ergreifen kannst“. An dieses Lied erinnerte ich mich letzte Woche mit einer Freundin in einem Telefonat.

Im April und Mai habe ich bei längeren Telefonaten und in meiner Gebetszeit am Morgen so manchen Knoten gelöst. Meditativ. Geduldig. Ausdauernd. Zweimal ging es nicht mit den Fingern und die Schere musste ran. Da führte auch mit Zeit und Geduld kein Weg dran vorbei. Das Material der Fäden war mir zu gut, um das Netz nach dem Oasentag und der Aktion einfach wegzuschmeißen. Da denke ich auch nachhaltig und kann die Fäden sicher bei einem nächsten Gebetstag wieder einsetzen. Doch dazu musste ich die Fäden erstmal lösen. Das war einfacher gedacht als getan, doch ich machte da für mich eine geistliche Übung draus. Das Netz lag Wochen neben meinem Gebetssessel und ich knüpfte Knoten für Knoten auf, dachte dabei über Knoten in meinem eigenen Leben nach und betete für Anliegen, die sich nicht schnell mal eben lösen lassen. Da denke ich nicht nur an die weltpolitischen Situationen, sondern auch an Krankheiten im Freundeskreis und Situationen, die sich verzettelt haben.

knoten fadenLetzte Woche war das Netz aufgeknotet, die Fäden gelöst. Jetzt warten sie darauf wieder zum Einsatz zu kommen. Ich bin gespannt wann und wo. Mir selbst tat die Entschleunigung und Aufgabe gut. Sie ging eben nicht mal eben schnell und ließ mich innehalten. Das Netz half mir manch inneren Knoten zu lösen, in Telefonaten und Gebeten ganz Ohr zu sein. Präsent sein. Gegenwärtig. In Gebet und Gedanken konnten so Entscheidungen reifen und getroffen werden: Ich gehe vorwärts. Paulus würde sagen: „Ich vergesse, was hinter mir liegt und strecke mich aus nach dem, was vorne ist“ (Philipper 3,13-14). Ein Vers, in dem es um Berufung geht, und der mich seit 1994 – also gut 30 Jahren - an Knotenpunkten meines Lebens begleitet.

 

 

 Ps.: Ein ganz besonderer Knotenpunkt, den wir auch kennen und empfehlen, ist in Bad Schwartau zu finden.