Selig sind – so hörten wir es am ersten Konferenzabend in Kassel auf der diesjährigen Bundesratstagung meiner Kirche.

Mit Texten und Musik im Themenfeld der Seligpreisungen aus der Bibel, wurde das Konferenzthema und neue Jahresthema eingeführt. Glücklich sind, so wurde es verständlicher, praktischer und nahbarer ausgeführt und manch herausfordernde Themen angestoßen.

Glücklich war ich am zweiten Konferenzabend. Überraschend und anders kam ich zu meinem Glück. Nach einem langen Konferenztag, mit tiefen Themen, manchen Emotionen, stand im Programm „ein Abend mit Soul, Food und Sharing – mit Seele, Essen und Teilen“. Neben Worship-Angebot und Gebet im Raum der Stille, lockten Improtheater und Lounge. Unter „Silent Disco“ konnte ich mir nicht recht was vorstellen. So gerne ich auch tanze, passte meine Vorstellung von miteinander Tanzen nach irgendwelcher Musik nicht zu meiner Stimmung. Und doch war ich neugierig, entschied mich trotzdem für den Worship-Abend, wohl wissend, dass ich selbst einfach hören wollte. Nach dem langen Tag hatte ich genug Kraft gegeben und wollte nichts mehr tun müssen.

Nach der Abendpause, in der ich noch ein inspirierendes Gespräch hatte, schlenderte ich durch die Hallen und war mir noch gar nicht schlüssig, ob ich mich wirklich in den Worship-Raum setzten wollte. Bloß nichts mehr „mitmachen müssen“, das war mir klar. In den Gängen traf ich noch auf eine Kollegin. Wir redeten und tauschten aus, bis meine Begleiter aus der Gemeinde dazu stießen. Es war der junge Konferenzbeobachter, der uns dann erklärte, wie Silent Disco umgesetzt wird. Kopfhörer auf. Musik hören. Tanzen. Jeder für sich. Das weckte meine Neugier.

silent discoIch ließ mich in die Kopfhörer einweisen, wählte eines der drei Programme. Angeschaltet. Abgeschaltet. Jetzt war der Worship von nebenan fast störend, weil ich die Kopfhörer lauter stellen musste, als ich wollte – aber das war bald vergessen. Im abgedunkelten Raum tanzten ein paar Besucher. Hier waren Raum, Zeit und ich mit meiner gewählten Musik. Vertraute und fremde Stücke. Ich tanzte frei und Rumba, bewegte mich nach einem langen Tag auf Konferenzstühlen und im Stop-and-go-Modus von Gespräch zu Gespräch. Ehrlich, ich habe keine Ahnung, wie lange ich da war, ob 20 oder 30 Minuten – weniger oder mehr. Ich weiß es nicht. Ich hörte ein paar Stücke Musik, bewegte mich nach den Rhythmen, tat meinem Körper Gutes und meine Seele war erfrischt.

Als ich ging, sangen nebenan noch viele Teilnehmende der Worship-Zeit. Durch die Fenster konnte ich sehen und hören – und mich auch wieder auf Begegnungen und Gespräche freuen. Fazit an diesem Abend: Ich brauche meine Bewegung im Stillen, brauche leise Klänge, die mich bewegen lassen und Freiraum dazu. In der Bewegung war ich ganz bei mir und kam zur Ruhe. Das ließ mich beglückt nach Hause ziehen und hallte noch einige Zeit nach. Meine Seele schwang weiter, ich war stimmig und ausgeglichen am Ende eines intensiven Tages.