Sitzend in meinem Gebetssessel, an einem Tag in Wüstenjerichow, fand ich das Begriffspaar „Wortsucherin und Zeitschenkerin“ für mich passend.

Zur Wortsucherin gibt es seit 2020 eine eigene Mailadresse, als unsere Arbeit im Rede-Raum Republikstraße in Schönebeck begann. Die Gestaltung und Arbeit dort haben sich in den letzten Jahren für mich gewandelt. Mit den Zusatzqualifikationen für Poesietherapie und Solmisation, sowie meinen Professionen als Pastorin und als Musik- und Bewegungspädagogin hatte ich dort gestartet mit RedeART und Laudieren, begleitenden und kreativen Angeboten für Menschen auf ihren eigenen Wegen. Das Jahr 2020 stellte uns alle vor Herausforderungen und ich widmete mich noch mehr der Musik, Spiritualität und Begleitung von Menschen. Heute bin ich Musiktherapeutin und neben Stille ist „in Resonanz – beten“ mein Thema. Im Studium hatte ich Zeit darüber mit unterschiedlichsten Menschen in Gespräch zu kommen, neue Erfahrungen zu sammeln im Bereich Therapie und Spiritualität.

Heute bewegen wir als Ehepaar wieder mehr denn je die Frage nach der Gebetsoase, für die wir in Wüstenjerichow eine Sicht hatten, und die wir einige Jahre in den virtuellen Bereich verlegen mussten. Wir wollen in die Präsenz gehen. Konkreter werden. Uns und die Berufung, die uns auf dem Herzen liegt, verorten. Und ja wir sind präsent: in Gemeinde(n) und Hochschule, im Rede-Raum und der Stadt, ebenso wie für Freunde und Familie, denen wir auch unsere Wohnung öffnen. Auch am Telefon und per Computer begleiten wir Menschen seelsorgerlich und beratend.

Doch die Stille ruft. Nicht der Rückzug in die Wüste, sondern der Aufbruch ins Leben, hin zum Sein, ist das, was mich und uns bewegt. Für mich formulierte ich das vor einiger Zeit so: „Menschen begleiten – musikalisch resonieren“. Wir wollen nach vorne gerichtet unsere Berufung leben. Und hier ist mir in den letzten Tagen der Begriff der „Zeitschenkerin“ schon zweimal begegnet und neu bewusst geworden. In einem Beratungsgespräch sagte ich meinem Gegengenüber ich kann gerne Zeit schenken. Im selben Augenblick musste ich mich korrigieren, denn die Stunden bei mir sind ja zu honorieren und kosten mein Gegenüber auch Geld. Was ich zum Ausdruck bringen wollte: hier ist Zeit. Keine Eile. Auch Stille kann ich mit aushalten. Stille Raum geben. Wir können gemeinsam warten auf das, was kommt, sich zeigen und zur Sprache kommen will.

Heute, beim Bibellesen und wieder in meinem Gebetssessel wurde ich auf das „kontemplative Gebet“ neu aufmerksam und las gleich an verschiedenen Stellen, dass „kontemplatives Gebet“ bedeutet Gott Zeit zu schenken. Ach, da bekam „mein“ Begriff der Zeitschenkerin wieder eine ganz neue klingende Seite in mir. Ja, Zeitschenkerin im Sinne von Beterin – in der Betrachtung und Gegenwart Gottes – das bin ich gerne. In der Stille sein, vor Gott, gehört genauso zu mir wie „in Resonanz – beten“ und Worte suchen und finden. Gott schenke ich von Herzen gerne Zeit – und gerne begleite ich auch Menschen auf diesem Weg vor Gott einfach zu sein. Das lässt mich ganz beschwingt sein, denn in mir klingt eine Saite neu an.