Es ist Nacht. Oder doch schon Morgen? Zwischen Sabbat und Sonntag werde ich wach. Zwischenzeit. Nach langer Zeit liegt ein richtig wichtig schöner Ruhetag hinter mir.

Und heute habe ich predigtfrei. So blieb gestern Zeit und Raum einfach für mich zu sein. Vor Gott zu sein. Hörend, fragend, lesend – in Resonanz mit Gottes Wort und im Gespräch. Am Küchentisch – und nicht nur dort – bewegen wir intensiv Fragen der Berufung, der Wandlung, des Lebens, und sind uns einig, dass es eine Zukunft ohne Gebetsoase für uns nicht geben wird. Und die gab es in unserer Ehe nie, denn die Vision der Gebetsoase war von Anfang an präsent und Wüstenjerichow schien der Ort. Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter wissen, dass Wege anders führten. Wir verlegten die Gebetsoase ganz in den virtuellen Raum – Übergangszeit. Vielleicht auch Wüstenzeit?

Die letzten Wochen, Monate, Jahre haben uns herausgefordert in unseren Diensten und Berufungen. Täglich sehen wir ein Modell unseres Hauses in Wüstenjerichow vor unseren Augen, das wir zur Hochzeit geschenkt bekamen. Wir sehen es vom Küchentisch aus, sehen es beim Lobpreis und musizieren, und auf dem Weg ins Büro. Wir haben an dem festgehalten, was Gott uns aufs Herz gelegt hat: die Oase des Gebets. Neben dem Haus-Modell steht eine Karte, mit einem Bibelwort aus Jesaja 35,6: „Es werden Wasser in der Wüste hervorbrechen und Ströme im dürren Land.“

Es ist Nacht. Ich bin wach und schreibe ein Gedicht: In der Stille der Nacht. Ich bin erfüllt vom Frieden des Sabbats gestern und Worte des Tages können nachklingen. Betend vor Gott sein. Stille halten. Warten.

Andreas hat seinen Rücktritt als Prorektor an der Hochschule bekannt gegeben. Wir haben beide Frieden – und beten. Erlebten in den letzten Wochen in allen Fragen, die uns bewegen, heilige Momente. Das diskutieren hat ein Ende. Zumindest an dieser Stelle. Und wir sind uns einige: wir wollen gemeinsam nach vorne sehen und Berufung leben – so wie wir es schon auf unserem Verlobungsfoto gezeigt und bekanntgegeben haben: Wege gemeinsam gehen, dabei einer Gebetsoase Raum und Gestalt geben.

Auf den öffentlichen Blog-Beitrag von Andreas zum Rücktritt bei facebook und dem Aufruf zum Gebet für Rektor und Hochschule durch mich, folgt ein Beitrag mit den Worten aus Jesaja 43,18-19: „Denkt nicht an das, was früher war, achtet nicht auf das Vergangene! Seht, ich wirke Neues! Es wächst schon auf. Merkt ihr es nicht? Ich bahne einen Weg durch die Wüste, lege Ströme in der Einöde an.“

Wenn die Schreiberin wüsste, wie sie mit der Weitergabe dieses Gotteswortes mich berührt und bewegt! Ich nehme das Wort als Zuspruch und Ermutigung, das die Gebetsoase Wirklichkeit und ein realer Ort sich finden lässt. Eine Oase des Gebets, den wir gestalten werden, an dem Menschen vor Gott zur Ruhe finden, und die Seele aufatmen kann. Dankbar gehe ich in den neuen Morgen.

 

In der Stille der Nacht

In der Stille der Nacht
leuchtet die Hoffnung
hell wie ein Stern

In der Stille der Nacht
atmet das Leben
den Rhythmus der Zeit

In der Stille der Nacht
zeigt sich die Liebe
ungeschminkt im Wort

am Begegnungsort Herz
entfacht Leben leise -
ein neuer Morgen

Hoffnungsschimmer
Morgenglanz Ewigkeit
Atem Gottes
liebevoll rhythmisch
belebend und klar
hellwach und sensibel

In der Stille der Nacht