So heißt die Interview-Sendung, für die wir diesen Sommer gefilmt wurden.

erste zweite späte liebeWir wurden zu unserem Kennenlernen und unserer Beziehung befragt. Deutlich wurde darin, dass uns Beziehungen und Netzwerke zu anderen wichtig sind, dass wir nicht nur zu zweit unsere Ehe leben, sondern Beziehungen zu Wegbegleitern und Freunden suchen. Doch was, wenn diese Netze dünner werden?

Heute waren wir auf einer Trauerfeier. Ein Bekannter sagte zu mir: „Früher trafen wir uns auf Hochzeiten, jetzt auf Beerdigungen“. Sind wir jetzt in einer anderen Lebensphase? Oder ändert sich einfach die Wahrnehmung? Zu meinem Leben gehörten immer schon Beerdigungen und Abschiede von liebgewordenen Menschen. Aber stimmt, mit diesen Wegbegleiter aus Hamburger Zeiten hatte ich zuletzt auf der Silberhochzeit der Verstorbenen getanzt. Wann würde ich ihn das nächste Mal wohl sehen? Gibt es ein nächstes Mal? Was, wenn „Verbindungsleute“ nicht mehr sind und es selbst keine Gemeinsamkeiten mehr gibt?

Eine andere Freundin schrieb mir in diesen Tagen „Ach, Claudia, Du hast viel Abschied nehmen müssen in 2023“ – so hatte ich es bis zu dieser Textnachricht noch gar nicht wahrgenommen. Für mein Empfinden war und ist das nicht mehr gewesen als sonst. Und doch, prägende Freundschaften wurden durch Tod beendet. Das schmerzt. Persönlich leide ich aber auch an Beziehungen, die möglich wären und ohne Abschied blieben. Wo Begegnungen schmerzen, weil innerlich so viel Distanz gegeben ist. Keine Chance eine Brücke zu bauen. Das zu erkennen finde ich schwer.

hochwasserHeute wollten wir auf dem Rückweg in Friedensau vorbei – miteinander Musik machen. Doch scheinen wir die anderen verpasst – oder nicht gefunden zu haben. Dann machten wir uns auf den Heimweg. Leichter gesagt als getan. Denn zwischen Friedensau und Schönebeck liegt das Pretziener Wehr. Das ist seit gestern geöffnet. Überflutungsgebiet. Kein Weg führt mehr über die Brücken, die wir sonst so selbstverständlich über die Elbe nutzen. Es folgte ein großer Umweg über Magdeburg bei Dunkelheit und Regen – achtsam und suchend, denn auch unser Navi hatte uns an diesem Vormittag verlassen und seinen Geist aufgegeben. Und nein, wir sind nicht per Handy im Auto einfach mal im Netz. Den Routenplaner hätten wir erst einrichten müssen, denn da sind wir noch von gestern.

Irgendwie ist dieser Tag heute auch gleichnishaft für mich. Es kann Brücken geben, doch wenn zu viel eine Beziehung flutet, dann führt kein Weg dahin, geschweige denn darüber. Manche Brücken muss ich dann auch links liegen lassen, will ich bei dem Versuch darüber zu gehen nicht selbst untergehen. Doch es schmerzt mich. Es schmerzt mich zu sehen, dass es mir nicht gelingt Brücken zu bauen oder darüber zu gehen. Und dann sind es die Beziehungskisten, über die nicht gesprochen werden. Scherben und Gräben, die nicht beim Namen genannt werden. Die ernüchternde Tatsache, dass Wege zueinander nicht möglich sind – obwohl man sich gegenübersteht und räumlich so nah ist. Auch Glaube lässt mich dann nicht über Wasser gehen, wo keine Tränen vergossen werden dürfen. Wo Gefühle tabuisiert werden. Wut ertränkt wird in festlicher Stimmung und Schönfärberei. Oder sollte ich sagen Heuchelei?

 

Heute Abend packt mich Wut
Spüre ich Lebensglut,
denke an Vereinsmeierei
und sind mir Menschen nicht einerlei.

Sehe ich Wege
und finde auch ohne Navi nach Haus
doch die Kälte finde ich grauselig -
ach, wäre ein Ja, doch ein Ja
und ein Nein ein Nein

Und Jesus allein der Verbindungsmann
Führe sein Geist allein uns nach Haus
Und würde seine Liebe uns verbinden,
heilen die geschlagenen Wunden
Dann kehrte Frieden ein
und ich käme nach Haus – bei mir.