Als wir heute nach Hause kamen, fanden wir eine Postkarte in unserem Briefkasten, die uns die Laune verdarb … und Fragen aufwirft.
Die Evangelische Buchhandlung Holstenstraße in Hamburg Altona schließt.
Warum macht uns das betroffen? Nunja, die Tatsache, dass Claudia eine Postkarte mit dieser Information erhält, lässt ja schon ahnen: sie war dort Stammkundin. Und das nicht nur in ihren Hamburger Zeiten, sondern bis heute – also in Wüstenjerichow, Schönebeck, Genthin. Der Service von unserem Valentin (so heißt der gelernte Buchhändler dort) war so legendär, dass wir einfach nicht auf ihn verzichten wollten. Die Schließung dieses freundlichen, gut bestückten Buchladens ist ein Verlust für Hamburg und weit darüber hinaus.
Betroffen macht dabei auch, dass die Anzahl evangelischer Buchhandlungen immer weiter sinkt und längst unter die Marke 100 gefallen ist – deutschlandweit! Es fehlt damit ein christliches Zeugnis in unseren Städten, von Dörfern wollen wir gar nicht reden.
Ich selbst war als Kind und Jugendlicher in der Evangelischen Buchhandlung in der Müllerstraße in Berlin fast zu Hause, längst Geschichte. Als junger Erwachsener gab es eine Evangelische Buchhandlung in Berlin Zehlendorf gleich um die Ecke. Lange her. Sie fiel schon vor über 30 Jahren dem Berliner Mietwucher zum Opfer.
Nun also auch die Holstenstraße in Hamburg. Nach 70 Jahren macht der Laden dicht. Warum?
Drei Gründe listet Valentin Schweigler auf seiner Karte – und zwar in dieser Reihenfolge:
- Das Kauf- und Leseverhalten hat sich stark verändert. Im Klartext: es ist bequemer, Jeff Bezos zu bereichern. Ihm sei sein geschäftlicher Erfolg gegönnt – nur … was will der Mann mit all seinen Milliarden? Und muss das auf Kosten der kleinen Buchhändler gehen? Tatsächlich lässt sich an dieser Stelle etwas ändern. Nicht durch „man“, sondern durch mich.
- Das Angebot christlicher Verlage wird kleiner. Okay, das habe ich selbst gespürt – Manuskripte in einem christlichen Verlag unterzubringen ist schwer geworden, weil sich alles rechnen muss. Vielleicht braucht es ein neues Modell, um christliche Literatur zu verbreiten. Ich denke hier über Crowd-Funding o.ä. nach. Ich träume gerne weiter.
- Kosten… Diese kryptische Ansage zu dechiffrieren bedarf keiner großen prophetischen Begabung. Insbesondere die Mieten in Hamburg explodieren – auch für Buchhandlungen. Wer die zerstörerischen Kräfte des Marktkapitalismus selbst erlebt, könnte glattweg zum Sozialisten werden. Hmm – vielleicht nicht die schlechteste aller Ideen.
Nun könnte ich sicher einen Aufruf starten: Leute, kauft christliche Bücher, am besten bei Valentin. Oder: Leute, schreibt christliche Bücher und veröffentlicht sie im Selbstverlag (eine Option, die ich ernstlich erwäge, nach all den entmutigenden Absagen). Oder: Leute, wehrt euch gegen Mietwucher… All das wird den Buchladen in der Holstenstraße nicht retten. Vielleicht muss es das auch nicht. „Alles hat seine Zeit“ sagt die Weisheitsliteratur der Bibel. Vielleicht kann man ja sogar noch die Jahreslosung anführen: „Siehe, ich mache alles neu…“ Aber vielleicht lohnt es sich eben doch, nachzudenken – über unser Konsumverhalten, über den Stellenwert der christlichen Literatur für uns selbst und (m.E. noch wichtiger) für die Gesellschaft und last but not least über neue Wege und Möglichkeiten, sich für Gerechtigkeiten, Frieden, Barmherzigkeit … sprich: Evangelium einzusetzen.
