Foto: Schwabe. Mit freundlicher Genehmigung des Bauherrn.

Vor kurzem sandte mir ein guter Freund aus Jugendtagen ein Foto von einer Baustelle. Zu sehen ist der Gemeindesaal, in dem ich getauft und später ordiniert wurde... Erinnerungen werden wach.

In dem Gebäude in Berlin Wilmersdorf erlebte ich eine starke christliche Jugendgruppe, haben wir als Jugendliche eine "Jugendevangelsation" unter dem Thema "Was braucht der Mensch?" durchgeführt, habe ich gepredigt, getauft und getraut. Jetzt sieht der Saal so aus. Nach Gerippe und Abbruch. Wehmut beschleicht mich.

Doch schon vor mein Taufe sah der Saal einmal ganz anders aus. Quasi Kinosaal mit hölzernen Klappstühlen (beim Aufstehen zum Gebet klapperte der Saal gewaltig), extrem hoher Bühne (Genickstarre in den vorderen Reihen garantiert) mit grün-grauem Vorhang vor dem Taufbecken. All das wich einer sehr viel leichteren, luftigeren Konstruktion Anfang der 70er Jahre. Und bei der ersten Taufe im brandneuen Taufbecken war ich dabei!

Bei meiner Ordination als Pastor sprach ich in Anspielung auf Abraham (Genesis 12,1-3) davon, dass ich gesegnet sei und ein Segen sein wolle. Nun sieht der Saal so aus... Und die Worte "Abbruch oder Aufbruch" kommen mir in den Sinn... Natürlich weiß ich, hier wird nicht abgebaut, sondern umgebaut, neu gestaltet, wie damals in den 70ern. Und ich bin schon gespannt auf das Ergebnis. Aber so ein bisschen Wehmut bleibt doch.

Und dann nehme ich die Fenster wahr, die an der Frontseite des Saales hell das Licht einfallen lassen. Bisher waren die Fenster "unsichtbar" ... hinter der Bühne, hinter dem grau-grünen Vorhang und später der gediegenen sakralen Holzverkleidung. Sie sind für mich wie ein Leuchten, ein Zeichen für Hoffnung und Aufbruch, für Neuanfang.

Ich brauche solche Zeichen der Hoffnung, solche Lichtdurchflutung. Gerade in einer Zeit, als eine ganz andere Baustelle unseresLebens "Abbruch oder Aufbruch?" fragt (und das hat dieses Mal nichts mit meiner Freikirche zu tun).

Wilmersdorf WAllerdings ... auch an der hinteren Fensterfront, zum Ausgang hin, fällt Licht ein, ist es hell. Gottes Gegenwart umgibt uns - egal ob Abbruch oder Aufbruch. Das tröstet, das stärkt. Ein "Schlager" aus der damaligen Zeit klingt mir im Ohr: "Ich sitze oder stehe..."  in dessen Refrain es hieß:

   

Von allen Seiten
umgibst du mich, oh Herr,
du bist nicht zu begreifen,
dir sei Lob, Preis und Ehr.