meine Mutter

Ich bin jetzt älter, als meine Mutter je geworden ist!

Nur wenige Tage nach ihrem 62. Geburtstag starb meine Mutter - kurz bevor ich sie wiedersehen konnte, als ich als frisch gebackener Doctor of Philosophy aus den USA zurück gekommen war. "Das ist kein Alter", sagt man da wohl, wenn jemand mit 62 stirbt. Tatsächlich ist meine Mutter älter geworden als ihr Vater und sämtliche ihrer Onkel und Tanten. Auch älter als ihre Mutter. Sie ist also vergleichsweise "alt" geworden. Wenn ich jetzt älter bin, als sie je war ... habe ich wohl die Gene meines Vaters? In seiner Familie sind alle deutlich über 90 geworden - bis auf meinen Vater, der mit 77 bei einem Verkehrsunfall verstarb und ein Onkel, der als junger Mann im zweiten Weltkrieg gefallen ist.

Wie ist das mit dem "Alter"?

Man ist so alt, wie man sich fühlt - sagt der Volksmund. Stimmt das? Meistens fühle ich mich nicht so alt, wie ich bin, sondern deutlich jünger... manchmal aber auch älter.  Das Gefühl ist da kein wirklich guter Ratgeber. Ist man "alt", wenn man Rentner wird? Hoffentlich nicht ... so lange hin ist es nicht mehr. "Alt ist relativ" - auch so ein Satz... der natürlich irgendwie stimmt. Alter ist eine Sache der Relationen. Als wir die 94 jährige Hebamme fragten, mit der wir in einem Wohnhaus lebten, und die regelmäßig Menschen im Seniorenheim besuchte, ob sie auch mal darüber nachdächte, ins Seniorenheim umzusiedeln, antwortete sie entrüstet: "Was soll ich denn da? Da sind doch lauter alte Leute."

Themen wie "Alter", "älter werden", "alt sein" beschäftigen mich zunehmend (wohl für sich selbst ein Zeichen des Alter[n]s?), aber ängsten mich nicht. So alt wie meine Mutter bin ich immerhin schon geworden. Und dass dies nicht selbstverständlich ist, habe ich wohl gelernt. Es ist Gnade. So bin ich einfach dankbar für das Leben. Für jeden Tag. Und LEBE.