Schalom-Haus Schönebeck

Zahlen wider das Vergessen!  Ich bin kein Geschichtsmensch - eher ein Geschichtenmensch. Aber manche Zahlen will ich mir merken. Und gedenken. Eine kleine Gedankenstütze - oder Rhythmisierung, wie Claudia feststellte - kann dabei helfen.

In der Nacht vom 9. zum 10. 11. 1938 brannten in Deutschland die Synagogen. Alljährlich wird daran erinnert! Dieses Mal auch in der ehemaligen Synagoge von Schönebeck, dem heutigen SCHALOM-Haus, das von der Evangelisch Freikirchlichen Gemeinde  noch zu DDR Zeiten wieder zum Gotteshaus umgestaltet und seither als Ort der Anbetung genutzt wird. Die Führung durch die ehemalige Synagoge stand unter Polizeischutz. Zu viel neudeutscher Nazi-Terror, zu viel geschichtsvergessene Gedankenlosigkeit. So postete kürzlich jemand stolz von einer Impfgegner-Demo "Magdeburg erwacht - und ich war dabei". Manch einem würde ich empfehlen, mal "Deutschland erwache" zu googeln, um den Gehalt dieser Formulierung zu verstehen...

Wie auch immer. Es gab ein Gedenken in dieser ersten "judenreinen Stadt" Deutschlands.  Die Stolpersteine vor der Synagoge waren geputzt, mit Kerzen und Rosen geschmückt. Nachdem die Polizei wieder weg war, dauerte es nicht lange, da waren die Rosen gestohlen. Geschichtsvergessenheit.

 

In der Nacht vom 10. zum 11. 12. 1942 beging der evangelischeTheologe und Kirchenliederdichter Jochen Klepper gemeinsam mit seiner Familie Suizid. Seiner jüdischen Frau und Tochter drohten damals die Deportation und der sichere Tod. Sein letzter Tagebucheintrag lautete:

Stolperstein des Jochen KlepperNachmittags die Verhandlung auf dem Sicherheitsdienst. Wir sterben nun – ach, auch das steht bei Gott – Wir gehen heute nacht gemeinsam in den Tod. Über uns steht in den letzten Stunden das Bild des Segnenden Christus, der um uns ringt. In dessen Anblick endet unser Leben.

Kann man da wirklich von "Freitod" reden? Oder ist er nicht gemeinsam mit sechs Millionen Juden in den Tod gegangen? Gedenken und Erinnern sind wichtig. Vielleicht auch, wenn in unseren Gottesdiensten in der Adventszeit sein bekanntestes Lied: "Die Nacht ist vorgedrungen" gesungen wird.

Wider das Vergessen. Geschichtsvergessenheit ist gefährlich. Ich will mir die Zahlen merken. 9-10-11  und 10-11-12.